Bank oder unabhängige Vermögensverwaltung?
Ein Systemvergleich für Vermögen ab 1 Mio. CHF/EUR
Das Wichtigste in Kürze
- System: Banken vereinen Beratung und Produktangebot häufig unter einem Dach; unabhängige Vermögensverwalter sind typischerweise produktfrei organisiert und handeln auf Mandatsbasis als Treuhänder.
- Methode: Statt Produktlösungen (Fonds/Strukturen) setzen wir – wo passend – auf transparente Direktanlagen (Einzelaktien und direkte Anleihen).
- Kosten: Durch den Verzicht auf Produkte und Retrozessionen können die Gesamtkosten gegenüber produktbasierten Mandaten spürbar sinken.
- Sicherheit: Ihr Vermögen bleibt Sondervermögen bei der Depotbank – wir handeln auf Basis einer Verwaltungsvollmacht.
Es gibt in der Finanzwelt eine strukturelle Diskrepanz, die vielen Vermögenden durchaus bewusst ist, aus der jedoch die wenigsten konsequenten Handlungsbedarf ableiten: Das Bankkonto ist die unverzichtbare Basis, doch ist die Bank deshalb automatisch auch der beste Vermögensverwalter?
Viele Grossinstitute stehen heute vor dem Dilemma, zwei völlig unterschiedliche Rollen vereinen zu müssen: Die des neutralen Beraters und die des produktorientierten Konzerns. Dabei ist die Hierarchie der Interessen oft systembedingt vorgegeben: Um die enormen Infrastrukturkosten zu decken und Aktionäre zu bedienen, sind Skaleneffekte und Produktplatzierungen notwendig. Das ist unternehmerisch legitim, führt jedoch zu Zielkonflikten. Langfristige Kundenzufriedenheit ist zwar ein Ziel, doch betriebswirtschaftliche Vorgaben und Ertragsziele prägen in vielen Häusern die Produkt- und Prozesslogik.
Dies ist ausdrücklich kein Vorwurf an die Integrität der dort arbeitenden Berater. Es ist vielmehr eine Frage der Physik des Finanzgeschäfts: Ein System, das auf Skalierung und Standardisierung ausgelegt ist, tut sich naturgemäss schwer mit echter, unvoreingenommener Individualität.
Wer als Unternehmer oder Privater sein Vermögen schützen will, sollte daher die Rollenverteilung hinterfragen. Hat man es mit einem Treuhänder zu tun, der ausschliesslich dem Mandanten verpflichtet ist, oder mit einer Vertriebsorganisation, die eigene Produkte im Regal hat? Der Unterschied mag im Gespräch nuanciert wirken; für die langfristige reale Kaufkraft des Vermögens ist er jedoch oft entscheidend. Es ist kein Plädoyer gegen Banken – wir brauchen sie als starke Depotstellen – aber ein Plädoyer für eine saubere Trennung von Lagerung und Bewirtschaftung.
Themenübersicht
- Die Illusion der Massschneiderei: Weshalb Bankprodukte oft teure Standardware sind
- Der Interessenkonflikt: Produktvertrieb vs. unabhängige Treuhand
- Die Antithese: Strikte Unabhängigkeit durch konsequente Direktanlagen
- Kosten-Wahrheit: Warum „weniger Gebühren“ oft „mehr Rendite“ bedeuten
- Sicherheit durch Kontrolle: Die Rolle der Depotbank und das Sondervermögen
- Häufige Fragen zum Wechsel (FAQ)

Die Illusion der Massschneiderei: Weshalb Bankprodukte oft teure Standardware sind
Wer die Räumlichkeiten eines renommierten Finanzhauses betritt, schätzt den professionellen Rahmen und den individuellen Duktus. Man spricht über Lebensziele und persönliche Wünsche. Die Herausforderung beginnt jedoch oft bei der Umsetzung: Wie übersetzt ein Grosskonzern Individualität in effiziente Prozesse?
Häufig geschieht dies durch Standardisierung. Das Portfolio, das am Ende im Depot liegt, muss für die Bank skalierbar sein. Es ist daher oft befüllt mit hauseigenen Fonds oder komplexen Anlageprodukten. Das ist ökonomisch sinnvoll für das Institut, führt für den Kunden jedoch oft in eine doppelte Kostenebene.
Hier lohnt sich ein genauer Blick in das Kleingedruckte. In einem klassischen Bankmandat bezahlt der Kunde oft zwei Ebenen: Erstens die offizielle Pauschalgebühr für die Vermögensverwaltung. Zweitens die laufenden Kosten (TER) der eingesetzten Fonds. Selbst wenn Banken heute teilweise „günstigere“ Tranchen für ihre Kunden nutzen, bleiben diese Produktkosten bestehen – für das Fondsmanagement, die Administration und die Fondsbuchhaltung.
Das Problem: Diese zweite Kostenebene fliesst oft unbemerkt ab, da sie direkt dem Fondsvermögen entnommen wird. Wirtschaftlich betrachtet können Teile der Wertschöpfung innerhalb derselben Gruppe verbleiben (z. B. Fondsleitung/Asset Management), während der Kunde doppelt bezahlt: Einmal für die Beratung und einmal für das Produkt. Bei einer Direktanlage in Aktien hingegen entfällt diese zweite Ebene komplett. Eine Einzelaktie stellt keine Rechnung für Managementgebühren. Sehen Sie hierzu auch unsere Anlagephilosophie.
In der Praxis können breit diversifizierte, produktbasierte Bankmandate zu dem führen, was Analysten als ‚Closet Indexing‘ bezeichnen: Das Portfolio entwickelt sich häufig indexnah – bei gleichzeitig höherer Gesamtkostenquote. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit einer attraktiven Nettorendite drastisch, insbesondere wenn die Wertschöpfung vor allem über Produktebenen statt über echte Titelselektion entsteht. Für grosse Vermögen ist daher entscheidend, ob die Kosten durch einen klaren, messbaren Mehrwert gerechtfertigt sind.
Der Interessenkonflikt: Produktvertrieb vs. unabhängige Treuhand
Die Ursache für diese Kostennachteile liegt nicht in böser Absicht, sondern in der Architektur des Geschäftsmodells selbst. Eine Grossbank tritt am Markt häufig nicht nur als Berater, sondern gleichzeitig als Anbieter und Emittent von Produkten und weiteren Dienstleistungen auf.
Und wie in jedem produzierenden Gewerbe benötigen diese Erzeugnisse einen Absatzkanal. Dass ein Institut bestrebt ist, die eigenen Produkte im Markt zu platzieren, ist per se legitim – es ist der betriebswirtschaftliche Imperativ eines jeden börsennotierten Konzerns. Vertriebsziele und Budgetvorgaben sind die Realität, die den Handlungsspielraum definieren. Ein volles Regal sucht naturgemäss nach Abnehmern.
Die entscheidende Frage, die sich der vermögende Privatkunde stellen sollte, zielt daher auf die strukturelle Integrität: „Dient mein Depot primär der Optimierung meiner eigenen Bilanz oder ist es Teil der Wertschöpfungskette der Bank?“ In einem Bankumfeld muss der Berater oft den Spagat zwischen den Interessen seines Arbeitgebers (Produktverkauf) und denen des Kunden (Objektivität) bewältigen. Nur wer diese Interessenlage durch eine Trennung von Bank und Verwaltung entflechtet, reduziert strukturelle Zielkonflikte und erhöht Transparenz.

Die Antithese: Strikte Unabhängigkeit durch konsequente Direktanlagen
Die strukturelle Antwort auf dieses Dilemma liefert die unabhängige Vermögensverwaltung – im angelsächsischen Raum oft treffender als „Boutique“ bezeichnet. Hier herrscht eine fundamental andere Logik: Die Absenz eigener Produkte ist kein Mangel, sondern die Voraussetzung für echte Neutralität. Wo kein eigenes Lager existiert, gibt es keinen Abverkaufsdruck.
In diesem Modell wandelt sich das Depot von einem Absatzkanal zu einem präzisen Werkzeugkasten. Wir erwerben keine verpackten „Lösungen“ oder intransparente Fondsmäntel. Wir erwerben direktes Eigentum an Qualitätsunternehmen. Im Depot liegen keine abstrakten Konstrukte, sondern Aktien von Weltmarktführern wie Nestlé, Microsoft oder Novartis sowie direkte Anleihen solider Schuldner.
Dieser Ansatz mag in einer Zeit komplexer Finanzinnovationen beinahe altmodisch anmuten. Und genau das ist seine Stärke. Es ist eine bewusste Rückbesinnung auf das eigentliche Handwerk des Investierens – puristisch, transparent und befreit vom Lärm des modernen Produktvertriebs.
| Kriterium | Grossbank / Private Banking | Echte unabhängige Vermögensverwaltung (Boutique) |
| Primäres Interesse | Konzernorientiert: Produktstandardisierung spielt häufig eine grosse Rolle; interne Angebote werden oft bevorzugt. | Kundenorientiert: Verdient nur, wenn der Kunde langfristig bleibt (kein Vertriebsdruck). |
| Anlage-Instrumente | Einsatz von Fonds, Zertifikaten und Produkte | Fokus auf Direktanlagen (Einzelaktien, Anleihen) hoher Qualität. |
| Kostenstruktur | Verwaltungsgebühr plus zusätzliche Produktkosten (TER). | Verwaltungsgebühr, keine Produktkosten. Sehr vorteilhafte Bankkonditionen für Depot und Wertpapierhandel (institutionelle Preise). |
| Retrozessionen | Werden bei eigenen Produkten häufig wirtschaftlich einbehalten (als interner Ertrag). | Bei uns: Keine vorhanden. Nur Direktanlagen in Einzeltitel. |
| Ihr Ansprechpartner | Angestellter Berater mit häufigem Wechsel. | Inhaber oder Partner mit unternehmerischer Haftung (langfristig). |
| Sicherheit | Sondervermögen (geschützt). | Sondervermögen bei der Depotbank (identisch geschützt). |
Kosten-Wahrheit: Warum „weniger Gebühren“ oft „mehr Rendite“ bedeuten
In der öffentlichen Wahrnehmung definiert sich erfolgreiche Geldanlage oft über die Jagd nach der nächsten „Outperformance“ oder dem perfekten Einstiegszeitpunkt. Dabei wird der wirksamste Hebel für den langfristigen realen Vermögenserhalt oft übersehen: die strikte Kostenhygiene.
Dies ist keine Banalität, sondern Mathematik. In klassischen Bankstrukturen summieren sich die Kosten häufig durch eine mehrstufige Gebührenarchitektur: Zur sichtbaren Verwaltungsgebühr gesellen sich die oft unsichtbaren Produktkosten (TER) der eingesetzten Fonds. In der Summe kann dies die Rendite mit bis zu 2,5 Prozent pro Jahr belasten. Eine schlanke Struktur auf Basis von Direktanlagen kommt durch den Wegfall der Produktebene oft mit der Hälfte aus.
Was auf dem Papier wie eine marginale Differenz von einem Prozentpunkt aussieht, entfaltet über die Zeit eine gewaltige Dynamik. Der Zinseszinseffekt wirkt bei Kosten genauso exponentiell wie bei Erträgen – nur in die entgegengesetzte Richtung. Kosten sind einer der wenigen Faktoren an der Börse, die der Anleger sicher kontrollieren kann. Wer sie minimiert, hat den statistischen Vorteil auf seiner Seite.
Sicherheit durch Kontrolle: Die Rolle der Depotbank und das Sondervermögen
Oft begegnet man der Sorge, ob das Vermögen bei einer spezialisierten Boutique – wie der Heissenberger Vermögensverwaltung AG – ähnlich sicher aufgehoben ist wie bei einem Grossinstitut. Diese Skepsis beruht auf einem Missverständnis der Strukturen. Das Kapital liegt niemals in der Bilanz des Vermögensverwalters. Es verbleibt stets bei einer regulierten Depotbank im sogenannten Sondervermögen – geschützt vor dem Zugriff Dritter.
Die Rolle der Bank wandelt sich in diesem Setup jedoch fundamental: Sie fokussiert sich auf ihre ureigene Kernkompetenz – die sichere Verwahrung und technische Abwicklung. Sie wandelt sich von der aktiven Vertriebsstelle zur neutralen Depotstelle.
Der unabhängige Verwalter übernimmt in dieser Konstellation die strategische Gesamtführung. Er trifft die Anlageentscheidungen und agiert als Treuhänder des Mandanten, der dessen Interessen konsequent gegenüber der Bank vertritt. Er prüft die Abrechnungen, verhandelt Konditionen und verhindert unnötige Transaktionen. Es entsteht ein wirksames System der „Checks and Balances“. Vier Augen sehen mehr als zwei – besonders dann, wenn das entscheidende Augenpaar frei von internen Vertriebsvorgaben agiert und ausschliesslich dem Mandanten verpflichtet ist.
Fazit: Der Wechsel zur Boutique als unternehmerische Entscheidung
Der Schritt aus der Struktur einer Grossbank hin zur spezialisierten Boutique ist faktisch längst kein bürokratischer Kraftakt mehr; er ist heute eine rein administrative Formalität. Die eigentliche Barriere verläuft nicht auf dem Papier, sondern im Kopf.
Es ist der emanzipatorische Schritt vom passiven Konsumenten, der darauf vertraut, dass „das Institut es schon richten wird“, hin zum souveränen Vermögenseigner, der versteht, was er besitzt. Es ist eine Absage an die Blackbox und eine Zusage an die Klarheit.
Wer bereit ist, auf den repräsentativen Marmor im Empfangsbereich zu verzichten und diesen gegen radikale Transparenz im Depot zu tauschen, für den hat die Ära der verpackten Bankprodukte ausgedient. Es ist die Rückkehr zum eigentlichen Kern des Investierens – zum Original.
Häufige Fragen zum Wechsel der Vermögensverwaltung (FAQ)
Ab etwa 1 Mio. CHF/EUR macht ein individuell geführtes Direktanlagen-Mandat in den meisten Fällen Sinn.
Der Grund ist simpel: In klassischen Banklösungen stecken oft zusätzliche Produktkosten (Fondsgebühren etc.), die sich je nach Depot schnell auf rund 0,5% bis 1,5% pro Jahr summieren können. Wenn man diese Produktebene weglässt, kann das die Verwaltungskosten eines unabhängigen Mandats häufig mehr als kompensieren.
Das Depotvermögen ist strukturell vom Vermögensverwalter getrennt; Wertschriften werden bei der Depotbank auf Ihren Namen verwahrt. Das Insolvenzrisiko des Vermögensverwalters betrifft in erster Linie die Dienstleistung, nicht das Depot. Der Vermögensverwalter erhält lediglich eine beschränkte Verwaltungsvollmacht. Im theoretischen Fall eines Konkurses der Verwaltungsfirma widerrufen Sie die Vollmacht – Ihr Vermögen bei der Bank bleibt davon unberührt.
Wir trennen strikt zwischen Verwaltung und Verwahrung. Unser Modell basiert auf maximaler Transparenz:
Unser Honorar: Sie zahlen eine einzige Verwaltungsgebühr für unsere Leistung (in der Regel 1,0% p.a.). Da wir konsequent auf teure Finanzprodukte verzichten, entfallen versteckte Produktkosten (TER) und Ausgabeaufschläge komplett. Auch Retrozessionen (Kickbacks) gibt es bei uns nicht.
Die Bankkosten: Für die Depotführung bei der Bank profitieren Sie direkt von unseren institutionellen Sonderkonditionen, die Privatkunden oft verwehrt bleiben. Die reine Depotgebühr liegt meist bei nur ca. 0,1% p.a. (zzgl. Transaktionskosten von ca. 0,1%).
Der Wechsel ist heute ein rein administrativer, weitgehend digitaler Prozess. Wir eröffnen das neue Depot und initiieren den elektronischen Titelübertrag. Sie müssen Ihre bisherige Bank nicht persönlich aufsuchen und kein Rechtfertigungsgespräch führen. In der Regel ist der Transfer der Wertpapiere innerhalb weniger Bankwerktage abgeschlossen.
Aus drei systemischen Gründen:
Kosten: Ein Fonds verlangt eine zusätzliche Gebühr für das Management. Wir sparen diese Ebene ein.
Qualität: Ein ETF repliziert blind den Index – inklusive schlechter, hochverschuldeter Firmen. Wir wollen nur die besten Qualitätsunternehmen besitzen.
Transparenz: Sie sehen in Ihrem Auszug „Nestlé“ oder „Microsoft“, nicht „Global Equity Fund III“. Sie wissen immer genau, was Sie besitzen.
Nein. Die Koppelung von Hypothek und Anlage („Zinsrabatt gegen Depotvolumen“) kann wirtschaftlich nachteilig sein und sollte separat gerechnet werden. Es ist meist effizienter, das Depot dort zu führen, wo die Rendite am besten ist, und die Hypothek dort, wo der Zins am besten ist. Wir helfen Ihnen, diese Abhängigkeit professionell zu entkoppeln.
Bei der Anlageberatung gibt die Bank Empfehlungen, aber Sie müssen jede Entscheidung einzeln absegnen. Bei der diskretionären Vermögensverwaltung delegieren Sie die Umsetzung an uns. Wir handeln in Ihrem Interesse innerhalb der vereinbarten Strategie. Das ermöglicht uns, in Krisenphasen unverzüglich innerhalb der vereinbarten Leitplanken und Risikoparameter umzusetzen.
Sehen Sie hierzu auch unsere Handlungen in bzw. vor vergangenen Übertreibungen.
Über den Autor
Björn Heissenberger ist Gründer und Inhaber der Heissenberger Vermögensverwaltung AG in Zürich. Als unabhängiger Vermögensverwalter spezialisiert er sich auf den Aufbau von produktfreien Qualitätsportfolios (Direktanlagen) für Unternehmer und vermögende Privatkunden.
Er ist ein vehementer Verfechter von Transparenz und Kostenhygiene im Finanzsektor. Seine Marktanalysen und Einschätzungen erscheinen regelmässig in führenden Wirtschaftsmedien wie der FAZ, NZZ, Handelsblatt und Finanz und Wirtschaft. Mehr erfahren Sie in unserem Investment-blog.
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Zuletzt Aktualisiert im Dezember 2025